"Neue" Männer für Monsieur Egalité
MICHAEL MüLLER
Gleichstellung / "Neue Männer braucht das Land",
sang vor Jahren eine deutsche Sängerin. Jetzt sind sie
da. Und wollen sich die städtische Fachstelle für
die Gleichstellung von Frau und Mann unter den Nagel reissen.
Sie sind jung, dynamisch, aufgeschlossen, wickeln eigenhändig
ihre Kleinkinder und füllen den Geschirrspüler selber.
Sie haben genug vom männlich dominierten Blockdenken und
politisieren sachgerecht in der sanften Mitte. Michael Burri,
Sven Baumann, Ueli Stückelberger, Michael Straub und Peter
Stucki sind Stadträte der GFL/EVP-fraktion. Von solchen
Männern müssen viele Frauen geträumt haben, als
sie vor Jahren verzückt mitsangen, da Ina Deters Lied "Neue
Männer braucht das Land" die alternativen Hitparaden
stürmte. Jetzt aber kommt das böse Erwachen.
In den nächsten Wochen läuft das Verfahren zur Auswahl
der neuen Leiterin der Fachstelle für die Gleichstellung
von Frau und Mann in der Stadt Bern. Gestern freitag lief die
frist zur Einsendung der Bewerbungsunterlagen ab. Die bisherige
Stelleninhaberin Regula Mader wurde am 12. März zur Regierungsstatthalterin
gewählt.
Das Interesse an der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten
sei gross, sagt Sonja Rentsch, Leiterin der Zentralen Dienste
auf der Präsidialdirektion, dem "Bund". Es hätten
sich einige Personen gemeldet; wieviele es sind, wollte Rentsch
nicht sagen; erst später werde die Zahl bekannt gegeben.
Eines jedoch verriet Sonja Rentsch bereits gestern: Unter den
Bewerbungen figuriert kein einziger Mann. Ausschliesslich Frauen
sind im Rennen um die Leitung der Fachstelle für Gleichstellung.
Erstaunlich ist das nicht, denn gemäss Stellenausschreibung
im "Stadtanzeiger" wurde ausdrücklich eine Leiterin
gesucht. Männer brauchten sich gar nicht erst zu bewerben.
Eine solche Ungleichbehandlung in der Gleichstellungsfrage ist
unseren fünf "neuen" Männern nun aber doch
zuviel. Von den Machos jahrelang als Softies verschrien, fordern
sie jetzt den Lohn für erduldete Entbehrungen und deponierten
beim Gemeinderat eine Kleine Anfrage, um dergestalt für
die Sache des Mannes einzutreten.
Auch wenn Michael Burri verwedelnd erklärt, so ganz "todernst"
sei ihm die Sache nicht, wird schnell klar: Es geht ihm um mehr
als den Absatz 2 im Artikel 9 des städtischen Personalreglements,
der verlangt, Stellenausschreibungen hätten sich an beide
Geschlechter zu richten. Und es geht ihm um mehr als die männliche
Form in der Stellenausschreibung. Darüber steht er ja.
Er könne sich, gestand Burri gestern scheu, nämlich
durchaus vorstellen, als Gleichstellungsbeauftragter zu fungieren.
Natürlich nicht allein, sondern im Jobsharing. Und selbstverständlich
nur zusammen mit einer Frau.
Wenn das nicht der Auftakt ist zu einer unfreundlichen übernahme
der städtischen Fachstelle für die Gleichstellung
durch die "neuen" Männer . . .
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