erschienen im Bund vom 12. April 2000

Ein zusätzlicher Effort für Frauen

StellenInserate / Vermehrt versuchen Unternehmen, mit ihren Stelleninseraten auch Frauen anzusprechen. Doch wer Positionen neu mit Frauen besetzen will, muss sich doppelt anstrengen. Denn Frauen reagieren kritischer auf Formulierungen und Inhalte.

Autor: Christoph Neuhaus

Der klare Inhalt, die Botschaft und die Ausstrahlung: Diese drei Elemente charakterisieren eine wirkungsvolle Stellenausschreibung. So einfach also könnten erfolgreiche Inserate kreiert werden - scheinbar einfach. Weil sie Signalwirkung hat, kommt der Ausformulierung dieser Texte aber mehr Gewicht zu, als es auf den ersten Blick scheint. Wer im austrocknenden Arbeitsmarkt insbesondere Frauen ansprechen und von einer Stelle überzeugen will, muss zusätzliche Efforts leisten.

Ein einfacher Schrägstrich

Die Bezeichnung der ausgeschriebenen Stelle mit weiblicher und männlicher Form ist ein erster Schritt. Eine Massnahme, welche die Allianz-Gruppe Schweiz konsequent umsetzt. Personalberater fred Guggisberg dazu: "Wir schreiben unsere Stellen praktisch in jedem Fall geschlechtsneutral aus." Geschlechtsneutrale Formulierungen oder aber die direkte Ansprache zeigen eine gute Wirkung. Gemäss Urs Röthlisberger, Leiter Direktionspersonaldienst der Stadt Bern, könnte eine solche Botschaft folgendermassen formuliert werden: "Wir würden uns besonders freuen, wenn wir diese Kaderstelle erstmals mit einer Frau besetzen könnten." Eine direkte Ansprache mit dem Wort "Sie" erhöht ebenfalls die Aufmerksamkeit.

Ausnahmen bestätigen hier nicht die Regel. Bei einer Gleichstellungsbeauftragten beispielsweise sind männliche Bewerber zum vornherein ausgeschlossen. Oder ein Mann kommt kaum zum Zug, wenn für die Präsentation von frauenkleidern Models gesucht werden. "Suchen wir eine Assistentin oder einen Assistenten, dann formulieren wir das explizit", sagt fred Guggisberg. In bestimmten Texten oder Textabschnitten wie Aufzählungen oder Auflistungen können geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen durch einen schlichten Schrägstrich realisiert werden. Es heisst dann ganz einfach: Mitarbeiter/innen. Durch kleine sprachliche Retouchen können Stellenausschreibungen geschlechtsneutral formuliert werden. Statt fachmännisch wird fachgerecht oder professionell geschrieben, das Fotografenatelier wird zum Fotoatelier.

Umschreibung für Lehrfrau

Geschlechtsstereotypen sowie weibliche/männliche Klischees müssen aus dem Text gestrichen werden. Zu vermeiden sind: "Empfangsdame, angenehme Erscheinung, schlanke Figur, dienstbereit . . .". Wenn für weibliche Lehrlinge keine offiziellen Bezeichnungen existieren, so ist Kreativität gefragt. Statt phantasielos "Lehrfrau" oder holprig "Berufslernende" zu schreiben, kann das Ganze mit "für eine KV-Lehre suchen wir eine junge Frau, einen jungen Mann" umschrieben werden. Umstrittene Berufsbezeichnungen sollten ersetzt werden. So wird die Serviertochter zur Service-Angestellten oder aber die Sekretärin zur Sachbearbeiterin Administration oder zur Kauffrau.

Weil Frauen im Vergleich zu Männern öfter mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, können Angaben wie "im Stadtzentrum von Bern" oder "in unmittelbarer Nähe der Tramstation Hirschengraben" Signalwirkung haben. Frauen werden dadurch zusätzlich ermuntert, sich zu melden. Vorausgesetzt natürlich, das Unternehmen steht nicht irgendwo auf der grünen Wiese. Frauen lassen sich, so Urs Bachmann, überdurchschnittlich durch Inserate mit Teilzeitstellen ansprechen (siehe Kasten). Der Leiter Direktionsbereich Personal/Ausbildung der Genossenschaft Migros Aare: "Die Angabe von Bandbreiten, beispielsweise 60 bis 100 Prozent, hat Signalwirkung." Zudem sollten aus dem französischen übernommene Berufsbezeichnungen wie Kontrolleur zu Kontrolleurin angepasst werden.

Militärjargon schreckt ab

Verpönt sind militärisch, technokratisch oder mechanistisch gefärbte Redewendungen. "Hier gilt es vielmehr, die viel zitierte emotionale Intelligenz der Frauen anzusprechen", sagt der Berner Personalberater Beat Arnold von Kohler + Partner.

Auch Ausdrücke wie "Rekrutierung", "Task Force" oder "im Schussfeld stehen" sind bei einer weiblichen Klientel verpönt. Und der Gipfel der Geschmacklosigkeit sind Stelleninserate mit so zweideutigen Anspielungen wie "Scharf auf Lehrlinge?" oder "Bei uns gibts den ganz heissen Job". Ob da Frau oder Mann angesprochen werden sollte, ist egal.

Präzis und transparent

cnb. Stelleninserate haben, ob frauengerecht oder nicht, folgenden Kriterien zu genügen:

  • Auftrag, Umfeld und Salär- system müssen klar ersichtlich sein.
  • Bestimmungen, die für den Beruf nicht relevant sind - wie Alter, Zivilstand, Religion oder Herkunft - sind wegzulassen.
  • Stellenausschreibungen sind verständlich zu formulieren. Deshalb dürfen nur gängige fremdwörter verwendet werden. Berufsbezeichnungen wie "ökonomin" oder "Biologe" gehören zum geläufigen Wortschatz; dass jedoch ein "ökotrophologe" ein Fachmann in Sachen Hauswirtschafts- und Ernährungslehre ist, wissen wohl die wenigsten.
  • Zu Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten sollen Aussagen gemacht werden.
  • Zu den Arbeitszeiten sind genauere Angaben zu machen, so über flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit oder die Möglichkeit zu Jobsharing.
  • Das Inserat verweist auf zusätzliche Einrichtungen des Arbeitgebers wie Laufbahnberatung, Kantine, Kinderhort oder Sportanlagen.
  • Anglizismen sind zu übersetzen, auch wenn das Ganze dann weniger mystisch tönt. So wird der Human Ressource Manager wieder zur Personalverantwortlichen oder zum Personalverantwortlichen, der Chief Exekutive Officer zur Geschäftsleiterin oder zum Geschäftsleiter.

Spezifisch

cnb. Wer sich speziell an Frauen wenden will, formuliert das Inserat so, dass . . .

. . .darin deutlich erkennbar ist, dass Bewerbungen von Frauen erwünscht sind.

. . .es unterschiedlichen Karriere- und Berufsverläufen Rechnung trägt.

. . . realistische Anforderungsprofile aufgestellt werden. Es gilt die Richtige oder den Richtigen für die Stelle zu finden, nicht die Nummer eins des Universums.

. . . die Anforderungen genau bezeichnet und erläutert werden.

. . . zu den notwendigen Selbst-, Fach- und Sozialkompeten-zen Aussagen gemacht werden.

home back