Ein zusätzlicher Effort für Frauen
StellenInserate / Vermehrt versuchen Unternehmen, mit ihren
Stelleninseraten auch Frauen anzusprechen. Doch wer Positionen
neu mit Frauen besetzen will, muss sich doppelt anstrengen.
Denn Frauen reagieren kritischer auf Formulierungen und Inhalte.
Autor: Christoph Neuhaus
Der klare Inhalt, die Botschaft und die Ausstrahlung: Diese
drei Elemente charakterisieren eine wirkungsvolle Stellenausschreibung.
So einfach also könnten erfolgreiche Inserate kreiert werden
- scheinbar einfach. Weil sie Signalwirkung hat, kommt der Ausformulierung
dieser Texte aber mehr Gewicht zu, als es auf den ersten Blick
scheint. Wer im austrocknenden Arbeitsmarkt insbesondere Frauen
ansprechen und von einer Stelle überzeugen will, muss zusätzliche
Efforts leisten.
Ein einfacher Schrägstrich
Die Bezeichnung der ausgeschriebenen Stelle mit weiblicher
und männlicher Form ist ein erster Schritt. Eine Massnahme,
welche die Allianz-Gruppe Schweiz konsequent umsetzt. Personalberater
fred Guggisberg dazu: "Wir schreiben unsere Stellen praktisch
in jedem Fall geschlechtsneutral aus." Geschlechtsneutrale
Formulierungen oder aber die direkte Ansprache zeigen eine gute
Wirkung. Gemäss Urs Röthlisberger, Leiter Direktionspersonaldienst
der Stadt Bern, könnte eine solche Botschaft folgendermassen
formuliert werden: "Wir würden uns besonders freuen,
wenn wir diese Kaderstelle erstmals mit einer Frau besetzen
könnten." Eine direkte Ansprache mit dem Wort "Sie"
erhöht ebenfalls die Aufmerksamkeit.
Ausnahmen bestätigen hier nicht die Regel. Bei einer
Gleichstellungsbeauftragten beispielsweise sind männliche
Bewerber zum vornherein ausgeschlossen. Oder ein Mann kommt
kaum zum Zug, wenn für die Präsentation von frauenkleidern
Models gesucht werden. "Suchen wir eine Assistentin oder
einen Assistenten, dann formulieren wir das explizit",
sagt fred Guggisberg. In bestimmten Texten oder Textabschnitten
wie Aufzählungen oder Auflistungen können geschlechtsspezifische
Personenbezeichnungen durch einen schlichten Schrägstrich
realisiert werden. Es heisst dann ganz einfach: Mitarbeiter/innen.
Durch kleine sprachliche Retouchen können Stellenausschreibungen
geschlechtsneutral formuliert werden. Statt fachmännisch
wird fachgerecht oder professionell geschrieben, das Fotografenatelier
wird zum Fotoatelier.
Umschreibung für Lehrfrau
Geschlechtsstereotypen sowie weibliche/männliche Klischees
müssen aus dem Text gestrichen werden. Zu vermeiden sind:
"Empfangsdame, angenehme Erscheinung, schlanke Figur, dienstbereit
. . .". Wenn für weibliche Lehrlinge keine offiziellen
Bezeichnungen existieren, so ist Kreativität gefragt. Statt
phantasielos "Lehrfrau" oder holprig "Berufslernende"
zu schreiben, kann das Ganze mit "für eine KV-Lehre
suchen wir eine junge Frau, einen jungen Mann" umschrieben
werden. Umstrittene Berufsbezeichnungen sollten ersetzt werden.
So wird die Serviertochter zur Service-Angestellten oder aber
die Sekretärin zur Sachbearbeiterin Administration oder
zur Kauffrau.
Weil Frauen im Vergleich zu Männern öfter mit öffentlichen
Verkehrsmitteln fahren, können Angaben wie "im Stadtzentrum
von Bern" oder "in unmittelbarer Nähe der Tramstation
Hirschengraben" Signalwirkung haben. Frauen werden dadurch
zusätzlich ermuntert, sich zu melden. Vorausgesetzt natürlich,
das Unternehmen steht nicht irgendwo auf der grünen Wiese.
Frauen lassen sich, so Urs Bachmann, überdurchschnittlich
durch Inserate mit Teilzeitstellen ansprechen (siehe Kasten).
Der Leiter Direktionsbereich Personal/Ausbildung der Genossenschaft
Migros Aare: "Die Angabe von Bandbreiten, beispielsweise
60 bis 100 Prozent, hat Signalwirkung." Zudem sollten aus
dem französischen übernommene Berufsbezeichnungen
wie Kontrolleur zu Kontrolleurin angepasst werden.
Militärjargon schreckt ab
Verpönt sind militärisch, technokratisch oder mechanistisch
gefärbte Redewendungen. "Hier gilt es vielmehr, die
viel zitierte emotionale Intelligenz der Frauen anzusprechen",
sagt der Berner Personalberater Beat Arnold von Kohler + Partner.
Auch Ausdrücke wie "Rekrutierung", "Task
Force" oder "im Schussfeld stehen" sind bei einer
weiblichen Klientel verpönt. Und der Gipfel der Geschmacklosigkeit
sind Stelleninserate mit so zweideutigen Anspielungen wie "Scharf
auf Lehrlinge?" oder "Bei uns gibts den ganz heissen
Job". Ob da Frau oder Mann angesprochen werden sollte,
ist egal.
Präzis und transparent
cnb. Stelleninserate haben, ob frauengerecht oder nicht, folgenden
Kriterien zu genügen:
- Auftrag, Umfeld und Salär- system müssen klar
ersichtlich sein.
- Bestimmungen, die für den Beruf nicht relevant sind
- wie Alter, Zivilstand, Religion oder Herkunft - sind wegzulassen.
- Stellenausschreibungen sind verständlich zu formulieren.
Deshalb dürfen nur gängige fremdwörter verwendet
werden. Berufsbezeichnungen wie "ökonomin"
oder "Biologe" gehören zum geläufigen
Wortschatz; dass jedoch ein "ökotrophologe"
ein Fachmann in Sachen Hauswirtschafts- und Ernährungslehre
ist, wissen wohl die wenigsten.
- Zu Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten sollen
Aussagen gemacht werden.
- Zu den Arbeitszeiten sind genauere Angaben zu machen, so
über flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit oder die
Möglichkeit zu Jobsharing.
- Das Inserat verweist auf zusätzliche Einrichtungen
des Arbeitgebers wie Laufbahnberatung, Kantine, Kinderhort
oder Sportanlagen.
- Anglizismen sind zu übersetzen, auch wenn das Ganze
dann weniger mystisch tönt. So wird der Human Ressource
Manager wieder zur Personalverantwortlichen oder zum Personalverantwortlichen,
der Chief Exekutive Officer zur Geschäftsleiterin oder
zum Geschäftsleiter.
Spezifisch
cnb. Wer sich speziell an Frauen wenden will, formuliert das
Inserat so, dass . . .
. . .darin deutlich erkennbar ist, dass Bewerbungen von Frauen
erwünscht sind.
. . .es unterschiedlichen Karriere- und Berufsverläufen
Rechnung trägt.
. . . realistische Anforderungsprofile aufgestellt werden.
Es gilt die Richtige oder den Richtigen für die Stelle
zu finden, nicht die Nummer eins des Universums.
. . . die Anforderungen genau bezeichnet und erläutert
werden.
. . . zu den notwendigen Selbst-, Fach- und Sozialkompeten-zen
Aussagen gemacht werden.
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