In Schwyz haben es Frauen besonders schwer
Eine Studie zu den Nominations- und Wahlchancen
Frauen sind in den politischen Behörden des Kantons
Schwyz stärker als in andern Kantonen untervertreten. Gemäss
einer Studie des GfS-Forschungsinstituts gibt es im Kanton Schwyz
nicht nur zu wenig Frauen, die sich für ein Amt zur Verfügung
stellen. Diese Frauen haben bei Wahlen zudem schlechtere Wahlchancen
als Männer.
mjm. Schwyz, 18. Mai
Die geringe frauenvertretung in den politischen Behörden
des Kantons Schwyz ist seit Jahren ein Thema. Obwohl der Kanton
stark nach den Agglomerationen von Zürich und Luzern ausgerichtet
und mit diesen teilweise zusammengewachsen ist, gehen die Uhren
in vielem anders. Kandidatinnen werden im Kanton Schwyz mit
andern Massstäben gemessen als Kandidaten. Das zeigte sich
bei den Regierungsratswahlen vor vier Jahren besonders krass.
Eine als Favoritin gesetzte CVP-Frau wurde im zweiten Wahlgang
aus rätselhaften Gründen nicht gewählt. Auch
ging der frauenanteil im Kantonsrat zurück. für die
politisierenden Frauen war das ein harter Schlag. Die frauengruppe
der stärksten Partei, der CVP, sistierte ihre Tätigkeit
am Rand der Selbstaufgabe.
Vor zwei Jahren setzte in Schwyz eine sanfte Welle zugunsten
der frauenförderung ein: Eine Gleichstellungskommission
wurde eingesetzt, ein "frauennetz" gegründet,
bei dem Frauen aus allen Parteien mitmachen. Im Herbst 1999
wurde mit Maya Lalive d'Epinay eine Frau in den Nationalrat
gewählt, die zweite nach Elisabeth Blunschy. Nur für
den Regierungsrat kandidierte keine Frau mehr. Aber im Kantonsrat
nahm der frauenanteil ein wenig zu. Trotzdem sind die wenigen
Frauen im Schwyzer Kantonsrat (15) immer noch fast allein unter
Männern (85). Nur in den Kantonen Uri, Glarus und Tessin,
welcher das Schlusslicht bildet, haben es Frauen noch schwerer,
ins Parlament gewählt zu werden.
Werte sonst wie in den achtziger Jahren
Das GfS-Forschungsinstitut hat nun im Auftrag der kantonalen
Gleichstellungskommission die Wahlchancen von Frauen und Männern
bei den Schwyzer Kantonsratswahlen vom 12. März 2000 untersucht.
In den beiden ersten Wochen nach den Wahlen wurden 605 Wählende
telefonisch interviewt. Die Resultate der Befragungen sind nun
in Schwyz von Brigitta Michel Thenen, Präsidentin der kantonalen
Gleichstellungskommission, Jeannine Dumont und Claude Longchamp
(beide GfS-Forschungsinstitut) vorgestellt worden. Der Kanton
Schwyz hinke bei der frauenvertretung der gesamtschweizerischen
Entwicklung hintennach, lautet das Fazit der Untersuchung. Bei
den Nominationen von Frauen und bei den gewählten Kantonsrätinnen
(15 von 100) würden im Kanton Schwyz Werte erreicht, wie
sie gesamtschweizerisch in den achtziger Jahren typisch waren.
Die Autoren machen drei Bündel von Ursachen für die
geringe frauenvertretung aus. Erstens nominierten die Parteien
zu wenig Frauen für den Kantonsrat, was sich bei der Wahl
verschärfte, weil kandidierende Frauen eine geringere Wahlchance
haben als Männer. Eine annähernd gleichmässige
Verteilung kenne nur die SP, wo die Frauen 44 Prozent der Bewerbungen
ausmachten. Bei den bürgerlichen Parteien lagen die Anteile
durchwegs erheblich tiefer (14 bis 21 Prozent). Zweitens seien
die Kriterien der Personenauswahl noch stark auf die Vorstellungen
der Männerkarriere in Familie, Beruf und Politik ausgerichtet.
Drittens wirke sich das Wahlrecht, das in kleinen Wahlkreisen
mit nur einem oder zwei Sitzen Majorzverhältnisse schafft,
nachteilig auf die frauenvertretung aus.
Das Geschlecht der Parteien
Im Vordergrund bei der Wahlentscheidung steht in Schwyz laut
der Untersuchung der Persönlichkeitsaspekt. Wer gewählt
werden will, müsse bekannt sein, auf die Wählerschaft
oder Teile davon sympathisch wirken und mit einem Thema, das
die Wählenden beschäftigt, in Verbindung gebracht
werden. Im Kanton Schwyz waren das die Staatsfinanzen bei den
Regierungsparteien, die Ausländerpolitik bei der Opposition
(SVP). Bei der Wahl spiele das Geschlecht auf der bewussten
Ebene nur eine untergeordnete Rolle. 56 Prozent der Wählenden
gaben in der Nachbefragung an, nicht darauf geachtet zu haben.
16 Prozent achteten darauf und entschieden sich zugunsten von
Frauen. 12 Prozent bevorzugten Männer, und 13 Prozent verweigerten
eine Antwort, zeigten aber eine Nähe zu Personen, die eher
Männer unterstützten. - Frauen wählen in Schwyz
tendenziell andere Parteien als Männer. Von Männerstimmen
lebt insbesondere die SVP Schwyz, aber auch die LVP (FDP), während
CVP und die SP einen wesentlichen Teil ihrer Stärke den
Schwyzer Wählerinnen verdanken.
Die Autoren der Studie empfehlen verschiedene Massnahmen zur
frauenförderung. Dazu gehören grössere Wahlkreise
oder der Zusammenschluss kleiner Wahlkreise zu Wahlkreisverbänden,
Förderungsprogramme für Frauen, das Knüpfen von
Netzwerken zu Entscheidungsträgern und Medien. Auf der
Ebene der Wählenden sei es wichtig, die gängigen Vorstellungen
von Politikern und Politikerinnen zu hinterfragen. Dominant
sei im Kanton Schwyz der Typ Politikerin, bei dem sich eine
Frau auf einen einflussreichen Mann im Hintergrund verlassen
könne, oder auch jener, bei dem eine Frau erst nach der
Kindererziehung in die Politik einsteige.
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