erschienen in der NZZ vom 19. Mai 2000

In Schwyz haben es Frauen besonders schwer

Eine Studie zu den Nominations- und Wahlchancen

Frauen sind in den politischen Behörden des Kantons Schwyz stärker als in andern Kantonen untervertreten. Gemäss einer Studie des GfS-Forschungsinstituts gibt es im Kanton Schwyz nicht nur zu wenig Frauen, die sich für ein Amt zur Verfügung stellen. Diese Frauen haben bei Wahlen zudem schlechtere Wahlchancen als Männer.

mjm. Schwyz, 18. Mai

Die geringe frauenvertretung in den politischen Behörden des Kantons Schwyz ist seit Jahren ein Thema. Obwohl der Kanton stark nach den Agglomerationen von Zürich und Luzern ausgerichtet und mit diesen teilweise zusammengewachsen ist, gehen die Uhren in vielem anders. Kandidatinnen werden im Kanton Schwyz mit andern Massstäben gemessen als Kandidaten. Das zeigte sich bei den Regierungsratswahlen vor vier Jahren besonders krass. Eine als Favoritin gesetzte CVP-Frau wurde im zweiten Wahlgang aus rätselhaften Gründen nicht gewählt. Auch ging der frauenanteil im Kantonsrat zurück. für die politisierenden Frauen war das ein harter Schlag. Die frauengruppe der stärksten Partei, der CVP, sistierte ihre Tätigkeit am Rand der Selbstaufgabe.
Vor zwei Jahren setzte in Schwyz eine sanfte Welle zugunsten der frauenförderung ein: Eine Gleichstellungskommission wurde eingesetzt, ein "frauennetz" gegründet, bei dem Frauen aus allen Parteien mitmachen. Im Herbst 1999 wurde mit Maya Lalive d'Epinay eine Frau in den Nationalrat gewählt, die zweite nach Elisabeth Blunschy. Nur für den Regierungsrat kandidierte keine Frau mehr. Aber im Kantonsrat nahm der frauenanteil ein wenig zu. Trotzdem sind die wenigen Frauen im Schwyzer Kantonsrat (15) immer noch fast allein unter Männern (85). Nur in den Kantonen Uri, Glarus und Tessin, welcher das Schlusslicht bildet, haben es Frauen noch schwerer, ins Parlament gewählt zu werden.

Werte sonst wie in den achtziger Jahren

Das GfS-Forschungsinstitut hat nun im Auftrag der kantonalen Gleichstellungskommission die Wahlchancen von Frauen und Männern bei den Schwyzer Kantonsratswahlen vom 12. März 2000 untersucht. In den beiden ersten Wochen nach den Wahlen wurden 605 Wählende telefonisch interviewt. Die Resultate der Befragungen sind nun in Schwyz von Brigitta Michel Thenen, Präsidentin der kantonalen Gleichstellungskommission, Jeannine Dumont und Claude Longchamp (beide GfS-Forschungsinstitut) vorgestellt worden. Der Kanton Schwyz hinke bei der frauenvertretung der gesamtschweizerischen Entwicklung hintennach, lautet das Fazit der Untersuchung. Bei den Nominationen von Frauen und bei den gewählten Kantonsrätinnen (15 von 100) würden im Kanton Schwyz Werte erreicht, wie sie gesamtschweizerisch in den achtziger Jahren typisch waren.
Die Autoren machen drei Bündel von Ursachen für die geringe frauenvertretung aus. Erstens nominierten die Parteien zu wenig Frauen für den Kantonsrat, was sich bei der Wahl verschärfte, weil kandidierende Frauen eine geringere Wahlchance haben als Männer. Eine annähernd gleichmässige Verteilung kenne nur die SP, wo die Frauen 44 Prozent der Bewerbungen ausmachten. Bei den bürgerlichen Parteien lagen die Anteile durchwegs erheblich tiefer (14 bis 21 Prozent). Zweitens seien die Kriterien der Personenauswahl noch stark auf die Vorstellungen der Männerkarriere in Familie, Beruf und Politik ausgerichtet. Drittens wirke sich das Wahlrecht, das in kleinen Wahlkreisen mit nur einem oder zwei Sitzen Majorzverhältnisse schafft, nachteilig auf die frauenvertretung aus.

Das Geschlecht der Parteien

Im Vordergrund bei der Wahlentscheidung steht in Schwyz laut der Untersuchung der Persönlichkeitsaspekt. Wer gewählt werden will, müsse bekannt sein, auf die Wählerschaft oder Teile davon sympathisch wirken und mit einem Thema, das die Wählenden beschäftigt, in Verbindung gebracht werden. Im Kanton Schwyz waren das die Staatsfinanzen bei den Regierungsparteien, die Ausländerpolitik bei der Opposition (SVP). Bei der Wahl spiele das Geschlecht auf der bewussten Ebene nur eine untergeordnete Rolle. 56 Prozent der Wählenden gaben in der Nachbefragung an, nicht darauf geachtet zu haben. 16 Prozent achteten darauf und entschieden sich zugunsten von Frauen. 12 Prozent bevorzugten Männer, und 13 Prozent verweigerten eine Antwort, zeigten aber eine Nähe zu Personen, die eher Männer unterstützten. - Frauen wählen in Schwyz tendenziell andere Parteien als Männer. Von Männerstimmen lebt insbesondere die SVP Schwyz, aber auch die LVP (FDP), während CVP und die SP einen wesentlichen Teil ihrer Stärke den Schwyzer Wählerinnen verdanken.
Die Autoren der Studie empfehlen verschiedene Massnahmen zur frauenförderung. Dazu gehören grössere Wahlkreise oder der Zusammenschluss kleiner Wahlkreise zu Wahlkreisverbänden, Förderungsprogramme für Frauen, das Knüpfen von Netzwerken zu Entscheidungsträgern und Medien. Auf der Ebene der Wählenden sei es wichtig, die gängigen Vorstellungen von Politikern und Politikerinnen zu hinterfragen. Dominant sei im Kanton Schwyz der Typ Politikerin, bei dem sich eine Frau auf einen einflussreichen Mann im Hintergrund verlassen könne, oder auch jener, bei dem eine Frau erst nach der Kindererziehung in die Politik einsteige.

 

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