Vom Leben im falschen Körper
Europäischer Sexualforscherkongress - Ein Gespräch
mit Prof. Klaus Beier
Im Haus der Kulturen der Welt findet derzeit der 5. Kongress
der Europäischen Gemeinschaft der Sexualforscher (EFS)
statt. Schwerpunkte der Konferenz sind dabei die Therapie von
Sexualstraftätern, die Trans- und die Intersexualität.
Mit Prof. Klaus Beier vom Institut für Sexualwissenschaften
der Charité sprach Saskia Karas.
DIE WELT: Ist die Heilung von gefährlichen Sexualstraftätern
üüberhaupt möglich?
Prof. Klaus Beier: Es gibt verschiedene Täterprofile;
die besten Aussichten haben Täter, bei denen nur die Kontrollfähigkeit
gestärkt werden muss.
DIE WELT: Was bedeutet das genau?
Beier: Das sind Täter, die zwar besondere sexuelle Wünsche
haben, aber weder desoziale Persönlichkeiten haben noch
kriminell oder geistig retardiert sind. Bei diesen Tätern
ist die Heilungschance relativ gross.
DIE WELT: Gibt es üüberhaupt eine wirksame medikamentöse
Behandlung, die zur Heilung von Sexualstraftätern führt?
Beier: Täter, die von ihren überstarken sexuellen
Wünschen besessen sind, können mit Antiandrogenen
behandelt werden, so dass die Fixierung auf ihre sexuellen Wünsche
verschwindet.
DIE WELT: Können Sie den Unterschied zwischen Trans- und
Intersexualität erklären?
Beier: Transsexuelle haben ein dauerhaftes Unbehagen im eigenen
Geschlecht, während Intersexuelle kein eindeutig definiertes
Geschlecht aufweisen.
DIE WELT: Wie kann Transsexuellen geholfen werden?
Beier: Sie müssen mindestens ein Jahr lang psychotherapeutisch
behandelt werden, danach ein Jahr den Alltagstest machen, das
heisst, in Männer- oder frauenkleidung leben, und
erst danach werden körperliche Veränderungen eingeleitet.
DIE WELT: Gibt es auch Transsexuelle, die diesen Schritt im
Nachhinein bereut haben?
Beier: Ja, das kommt leider immer wieder vor, deshalb ist die
Testphase auch so lang. Es gibt in Deutschland circa 20 Fälle
von Rückumwandlungen.
DIE WELT: Wie kann intersexuellen Menschen in dieser schwierigen
Situation geholfen werden?
Beier: Das ist sehr schwierig. Bei Kindern, die sowohl weiblich
als auch männlich sein könnten, wird das Geschlecht
gleich nach der Geburt "festgelegt". Später gibt
es dann oftmals Probleme, weil diese Menschen das Gefühl
haben, nicht im richtigen Körper zu leben. Es gibt auch
Fälle, bei denen die Chromosomenlage eindeutig männlich
ist, die sich aber als Frau fühlen oder umgekehrt.
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