Umdenken beschleunigen
Das Büro für Gleichstellung zieht Bilanz
bsp. Seit Oktober 1990 existiert in der Stadt Zürich
das Büro für Gleichstellung von Mann und Frau (BfG).
Am Sonntag hat diese Institution im Schiffbau ihr zehnjähriges
Jubiläum mit einer Matinee unter dem Motto "Aus ungleichem
Gefechte" gefeiert. Mit einer Publikation wird Bilanz gezogen.
Trotz dem sonnigen Sonntagmorgen fanden vor allem viele Frauen
ihren Weg ins Foyer der Schiffbauhalle, wo das BfG sein Jubiläum
feierte. Nach den Ansprachen von Stadtpräsident Josef Estermann
und Dore Heim, der Leiterin des Büros für Gleichstellung,
präsentierten drei Schauspielerinnen unter musikalischer
Begleitung eine Collage aus historischen Dokumenten, Beispielen
von Anfragen an das Gleichstellungsbüro und einem Pressespiegel.
Geschlechterspezifische Diskriminierung
"Sie haben meine männliche Vernunft beharrlich revidiert
und mich immer wieder auf den dornenvollen Weg der Gleichstellung
zurückgeführt", bedankte sich Josef Estermann
bei den Mitarbeiterinnen des Büros für Gleichstellung.
Die Arbeit des BfG habe ihm die Augen für geschlechtsspezifische
Diskriminierungen geööffnet und ihm die Notwendigkeit des
Umdenkens in der Geschlechterpolitik bewusst gemacht. Und ebendieses
Umdenken werde durch das Büro für Gleichstellung beschleunigt.
Welchen Weg das Denken in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter
zurückgelegt hat, zeigte eine Collage auf, für welche
die Historikerin Elisabeth Joris die historischen Recherchen
betrieben hatte. So wurde beispielsweise in einer Ausgabe der
NZZ aus dem Jahre 1911 gefordert, dass sich verheiratete Lehrerinnen
in ihren Familienkreis zurückzuziehen hätten, oder
in einem Text aus dem Jahre 1916 über "Die notwendige
Ergänzung zum Wesen und der Leistung des Mannes" sinniert.
Seither sind fast hundert Jahre vergangen. Heute will die Stadtzürcher
Bevölkerung vom BfG beispielsweise wissen, warum nur Männer
zum Militär eingezogen werden oder wie eine Frau nach ihrer
Heirat ihren angestammten Familiennamen behalten kann. Rund
700 solcher Anfragen, darunter eine mit der Anrede "Sehr
geehrte Damen und . . .", gehen jährlich beim Stadtzürcher
Büro für Gleichstellung ein. Neben ihrem Beratungsdienst
unterstützt das BfG politische Gremien, überät Organisationen
und Unternehmen in Gleichstellungsfragen.
Intervention und Statistiken
1996 initiierte das BfG das "Zürcher Interventionsprojekt
gegen Männergewalt" (ZIP), das noch bis Ende 2000
gemeinsam vom BfG und der Fachstelle Gewalt gegen Frauen und
Kinder des Sozialdepartements geleitet wird und danach vom Kanton
übernommen werden soll. Im Vordergrund stehen die Themen
Opferschutz und Präventionsmassnahmen. Im Laufe des nächsten
Jahres soll im frauenhaus zudem ein ambulantes Beratungsangebot
für von Gewalt betroffene Frauen eingerichtet werden. Ein
weiteres laufendes Projekt betrifft die Auswirkungen der Flexibilisierung
der Arbeitsverhältnisse auf die Stellung von Frauen und
Männern bezüglich Einkommen, Zeitautonomie und häuslicher
Arbeitsteilung. In einem bereits seit 1998 bestehenden Projekt
wurden sieben Zürcher Firmen in den Branchen Gastgewerbe,
Reinigung und Verkauf auf Gleichstellungsfragen hin untersucht
und bei der Schaffung von gerechteren Rahmenbedingungen unterstützt.
Die Resultate der Studie sollen im Dezember bekanntgegeben werden.
In der Publikation "Geschlecht gleich Stellung" zieht
das BfG nach zehn Jahren Bilanz. "Noch immer begrenzt das
Geschlecht die gesellschaftlichen Chancen der Frauen",
schreibt Dore Heim einleitend. Die "Renaissance der Einigelungspolitik"
in der Schweiz hätte eine veränderte Einstellung zu
Ausländerinnen und Ausländern und die Wirtschaftskrise
der neunziger Jahre eine massive Verknappung der öffentlichen
Mittel nicht zuletzt für das BfG zur Folge gehabt.
Allgemein sei die Akzeptanz der Arbeit des Büros in der
Bevölkerung gut, erläuterte Dore Heim auf Anfrage,
und auch die Mehrheit der Politikerinnen und Politiker sehe
die Notwendigkeit der Existenz des BfG ein. Die Aufklärungsarbeit
stellt sie auf zwei Schienen ab: Während Publikationen
die soliden wissenschaftlichen und pädagogisch-didaktischen
Grundlagen liefern, soll die öffentlichkeitsarbeit des
Büros mit viel Humor die Bevölkerung verblüffen,
irritieren und zum Nachdenken anregen.
BfG, Postf., 8002 Zürich. gleichstellungsbuero@bfg.stzh.ch,
www.bfgz.ch
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