zugestellt per Post am 4. Mai 2001 an:
Bundesrat Samuel Schmid, Chef VBS
Präsidentin des Zürcher Regierungsrates, Rita Fuhrer
Chef Amt für Militär und Zivilschutz Kt. Zürich, Anton E. Melliger
Wehrpflichtersatzverwaltung des Kt. Zürich
per Mail an Redaktionen und Medienschaffende

Transsexuelle und das Militär - ein offener Brief

transX - Informationsstelle für Transsexualität und Geschlechterfragen fordert den gesellschaftlichen und juristischen Respekt vor der Identität einer Person und die Befreiung von Militär und Wehrpflichtersatz für transsexuelle Personen, die ihre weibliche Identität (Alltagstest) leben und unter ärztlicher Kontrolle weibliche Hormone einnehmen.

Die Militärverwaltung kümmert sich weder um den Menschen, noch klärt sie ab. In der formalistischen Ausführung unsorgfältiger Methoden stösst sie Frauen mit transsexuellen Biografien in Depressionen und an den Rand sozialer Integration.

Sereina* heisst sie heute. Hübsch ist sie und im Dorf eine beliebte Nachbarin. Ihr Leben hat sich seit der Kastration stabilisiert. Dank dem Neuanfang und dem Umzug an einen neuen Ort wurden die Depressionen weniger und die Kopfschmerzen haben nachgelassen. Sie freut sich, bald wieder ihren alten Beruf ausüben zu können, und von der neuen Klasse als Frau Baggenstoss begrüsst zu werden.

Seit zwei Jahren ist sie als weibliche Person im Personenstandsregister eingetragen, seit 1994 lebt sie das gesellschaftliche Leben einer Frau und seit Januar 1996 nimmt sie regelmässig weibliche Hormone unter ärztlicher Kontrolle ein.

Der unangekündigte Zahlungsbefehl der Wehrpflichtersatzverwaltung des Kanton Zürich zerschlägt ihre Lebensplanung. Sie, Sereina Baggenstoss , eine Frau, soll Wehrpflichtersatz zahlen? Was denken die Leute, wenn sie sich gegen die unverhältnismässige Härte der Militärverwaltung wehrt? Wehren gegen eine Forderung, die in einem Leben in tiefer, schmerzvoller Erinnerung verborgen ist? Dann doch lieber die Ungerechtigkeit einstecken, zahlen, schweigen und ja nicht auffallen.

Sereina hat sich bei transX gemeldet und um Beistand gebeten. Die mehreren hundert franken kann sie nicht auf einmal bezahlen. Dank Spenden kann transX diese Frau vor dem persönlichen Konkurs wegen offener Wehrpflichtersatzrechnungen schützen und sie in ihrer gesellschaftlichen Würde als Frau unterstützen. Das Spendenkonto lautend auf transX, Zürich PC 87-91566-3 ist immer offen.

transX überät auf Anfrage auch die verantwortlichen Stellen im Militär zu fragen von Transsexualität und den professionellen Umgang damit.

transX - Informationsstelle für Transsexualität und Geschlechterfragen

Astrid E. Frischknecht
Präsidentin

* Der richtige Name ist transX bekannt

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