Babys nach Wahl
Das Geschlecht eines Kindes lsst sich nun auch mit einer
Spermiensortier-Maschine vorprogrammieren.
Seit jeher versuchen Menschen, das Geschlecht ihres Nachwuchses
zu beeinflussen. Um einen Sohn zu zeugen, drehten sich im alten Griechenland Männer zum
Beischlaf nach rechts. franzosen banden sich für das gleiche Ziel im 18. Jahrhundert den
linken Hoden ab.
In Fairfax (US-Staat Virginia) unterteilt jetzt eine Maschine den
männlichen Samen nach X- und Y-Chromosomen. Der Flow Cytometer ist ein beigefarbener
Kasten. Er separiert tagaus, tagein Samenzellen, die das X-Chromosom tragen, von
Samenzellen mit dem Y-Chromosom, dem Garant für männliche Embryos. Das bisher
einzigartige Verfahren, Microsort genannt, bedient sich fluoreszierender Farbstoffe und
eines ultravioletten Lasers. Das X-Chromosom ist bei allen Sugern, Menschen
eingeschlossen, reicher an genetischem Material als das männliche Y-Chromosom. Das
bedeutet, dass "weiblicher" Samen grsser ist und unter dem Laser heller
leuchtet. Diesen Unterschied macht sich das System zu Nutze.
Zuerst das Vieh, nun der Mensch
Die Samen-Auslese wurde ein gutes Jahrzehnt in der Viehzucht
verwendet, bevor Amerikas Gesundheitsbehrde FDA ihre Anwendung an Menschen erlaubte. Das
Genetics and I.V.F. Institute in Fairfax ist die erste fruchtbarkeitsklinik der Welt, die
mit dem Gert arbeitet.
Nach 400 Zuchttieren kam 1995 das erste Wunschbaby durch
Microsort zur Welt. Es war ein Mdchen, die Tochter einer Amerikanerin, die zwei Brder
und zwei Shne durch ererbten Wasserkopf (X-abhängigen Hydrozephalus) verloren hatte.
Die ersten Jahre wurde fast jede Anfrage von der Angst vor einer Erbkrankheit bestimmt.
Inzwischen reicht der Wunsch nach einem kleinen Jungen oder Mdchen, um zum
Microsort-Nutzniesser zu werden. Allerdings macht das Institut gewisse Auflagen. Ein Paar
muss wenigstens schon ein Kind haben, bevor es das Geschlecht des zweiten auswhlen darf.
Ausserdem muss das gewünschte Geschlecht in der expandierenden Familie in der Minderzahl
sein.
Bisher haben weniger als 200 Paare den Cytometer benutzt. Das
kommt nicht gerade billig. Ein Versuch kostet umgerechnet fast 4000 franken. Drei Versuche
sind im Schnitt erforderlich für eine Schwangerschaft. Sie erfolgt über knstliche
Befruchtung.
Tchter gelingen besser als Shne
Whrend Tchter mit einer Trefferquote von 93 Prozent gelingen,
liegen die Aussichten auf den ersehnten Sohn nur bei 73 Prozent. Das liegt zum einen an
der besseren Erkennbarkeit der Samenzellen mit X-Chromosom, zum andern auch an der
grsseren Erfahrung. Denn in den USA kommt nur ein erwünschter Junge auf vier erhoffte
Mdchen.
Allerdings bezieht sich das nicht auf das erstgeborene Kind. Eine
Studie von Roberta Steinbacher an der Staatlichen Universitt in Cleveland kam zu dem
Ergebnis, dass schon jeder vierte Amerikaner theoretisch mit der Geschlechtswahl des
Nachwuchses einverstanden ist. Von ihnen wrden sich 81 Prozent der Frauen und sogar 94
Prozent der Männer für einen männlichen Stammhalter als Ersten der Kinderschar
entscheiden.
Was die USA geschlechtermssig vielleicht noch verkraften,
knnte in manchem Entwicklungsland das labile Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen
leicht aus der Balance bringen. So werden beispielsweise in Indien bereits heute
vorwiegend weibliche Ften abgetrieben. Und indische Geburtskliniken werben für den
Geschlechtstest des ungeborenen Kindes - mit dem Argument, damit eine sptere Mitgift
einzusparen.
In der Schweiz ist es nicht erlaubt, mit technologischen
Verfahren Wunschmdchen oder -knaben zu erzeugen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in
Genf stellt fest: Das Geschlecht ist keine Krankheit. Wenn hingegen die Gefahr
einer Erbkrankheit besteht, die von fehlerhaften Genen auf einem Geschlechtschromosom
ausgeht, drfte auch in der Schweiz der Cytometer zur Anwendung kommen. So geben es die
aktuellen medizinisch-ethischen Richtlinien und das geplante Fortpflanzungsmedizin-Gesetz
vor, das im nchsten frühling zur Abstimmung kommt. (dpa-fwt/thw) |