erschienen im Bund vom 17. Januar 2000

Mehr Rechte für Homosexuelle

Vernehmlassung / Die rechtliche Stellung der Schwulen- und Lesbenpaare verbessern wollen eigentlich alle; doch nur eine Minderheit mchte ihnen die Ehe ffnen. Am ehesten Chancen - so zeigen die Vernehmlassungsantworten - hat die registrierte Partnerschaft.

sda/bin. Das Justizdepartement (EJPD) schickte im Juni 1999 fnf Lsungsanstze in die Vernehmlassung: punktuelle Gesetzesanpassungen, einen obligationsrechtlichen Partnerschaftsvertrag, zwei Varianten der registrierten Partnerschaft sowie ffnung der Ehe. Damit wollte die damals neue Justizministerin Ruth Metzler ein lange gelagertes Problem einer Lösung zufhren. Aufgrund der Vernehmlassungsantworten wird das Justizdepartement nun einen Gesetzestext vorschlagen.

Notwendige Anpassungen

Alle Vernehmlasser rumen ein, die heutigen Gesetze enthielten gegenüber Paaren des gleichen Geschlechts diskriminierende Bestimmungen. Alle Regierungsparteien befrworten darum bereinstimmend Anpassungen bei den Erbschaftssteuern.

Wie das in der Verfassung verankerte Gleichheitsgebot in den weiteren Einzelheiten erfllt werden soll, darber gehen die Meinungen aber auseinander. für das Schwulenbro Schweiz Pink Cross kommen nur zwei Varianten in Frage: Ehe oder eine registrierte Partnerschaft mit weitgehend ehegleicher Wirkung. Die Benachteiligungen seien nur aus der Welt zu schaffen, wenn - nebst anderen Gesetzesanpassungen - Homosexuellen die Mglichkeit einer juristisch anerkannten Partnerschaft geboten werde.

Bedenken bei SVP und CVP

SVP und CVP formulieren in ihren Vernehmlassungsantworten Ablehnung und Bedenken. Die CVP hat zwar Verstndnis für die Anliegen, sieht aber keinen dringenden Handlungsbedarf. Die SVP sieht einen Handlungsbedarf vor allem beim Erbrecht, auch in Bezug auf Konkubinatspaare.

Offenheit bei FDP, SP, Grnen

Liberaler ist die Haltung der freisinnigen. So befrworten sie die registrierte Partnerschaft mit juristisch weitgehend ehegleichen Auswirkungen. Dieses Modell knne auch für Konkubinatspaare gelten, finden sie. SP und Grne gehen einen Schritt weiter und fordern die ffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Damit entsprechen sie den Forderungen der Lesbenorganisation Schweiz LOS, wonach die Ehe allen, unabhngig von Geschlecht, Alter oder Nachwuchsfragen, zugnglich sein solle. Die Lesben bemngeln das Fehlen von Bestimmungen zu fragen der Adoption und der knstlichen Befruchtung bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

Kirchen für Abgrenzungen

Bei den Kirchen stsst der Traum der homosexuellen Menschen von Familie und Ehe auf Ablehnung. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund befrwortet zwar die registrierte Partnerschaft, wünscht bei der rechtlichen Regelung aber Unterschiede zur Ehe.

Die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) ist gegen die Einfhrung von eheähnlichen Partnerschaftsformen. Sie knnte sich aber mit punktuellen gesetzlichen Anpassungen anfreunden. In diese Variante knnten nach SBK-Vorstellungen allenfalls Elemente des Modells für einen obligationenrechtlichen Partnerschaftsvertrag einfliessen.

 

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