Die Männer frdern - oder doch die
Frauen?
Ursachen und Auswirkungen des zunehmenden Erfolgs der Frauen
im hheren Bildungswesen
Von Ccile Ernst*
Im Jahr 1997/98 gab es in der Schweiz 93 388 Studierende an
Universitten und Polytechniken; davon waren 43,2 Prozent Frauen. Am Ende des Zweiten
Weltkrieges lag deren Anteil noch bei 12,2 Prozent. Frauen waren 1997/98 an den
Maturittsschulen bereits in grsserer Zahl vertreten als die jungen Männer. Man kann
angesichts dieser Tatsache durchaus die frage aufwerfen, ob es neben oder anstelle einer
frauenfrderung nicht eine Männerfrderung braucht, weil die Männer auf dem Weg durch
die Bildungsinstitutionen häufiger Schiffbruch erleiden.
Die folgenden Ausfhrungen sttzen sich auf Schweizer Daten der
Jahre 1997/98 des Bundesamtes für Statistik. Dieses unterscheidet die Primarstufe und die
Sekundarstufe I: Sie entsprechen der Primarschule und der Oberstufe und sind Gegenstand
der Schulpflicht. Dann folgt die Sekundarstufe II mit Maturittsschulen,
Diplommittelschulen und mit der Berufsausbildung in der betrieblichen Lehre und an den
Gewerbeschulen. Die Tertirstufe schliesslich umfasst die Lehrerbildungsanstalten, die
hhere Berufsausbildung an Fachschulen und die Studien an den Universitten und
Polytechniken.
Bekanntlich werden etwas mehr Knaben als Mdchen geboren, aber
die Sterblichkeit des männlichen Geschlechts liegt in jedem Alter hher als die der
Frauen. In den Altersgruppen der 0 bis 14 und 15 bis 29 Jahre alten Schweizer stellten
1990 die Mdchen und Frauen 48,8 und 48,9 Prozent der Bevlkerung; in hheren
Altersklassen nimmt der weibliche Anteil zu. für die folgenden berlegungen kann von
einer Geschlechterparitt ausgegangen werden.
Unauffllige Mdchen, schwierige Knaben
Der geringe Knabenberschuss bleibt in der Vorschule und in der
Primarstufe erhalten. Dort machen die Mdchen 49,2 Prozent der Schler aus. Werden aber
auf der Sekundarstufe I Schulen mit Grundansprchen von solchen mit erweiterten
Ansprchen unterschieden, so ergibt sich bei den ersten ein Knabenberschuss von 55,2
Prozent und bei den zweiten ein Mdchenberschuss von 52,1 Prozent, in den Sonderschulen
sind die Knaben mit 62,2 Prozent bervertreten. Bereits im Rahmen der obligatorischen
Schulzeit beginnen sich folglich ein Knabennachteil und ein Mdchenvorteil abzuzeichnen.
In epidemiologischen Untersuchungen whrend der obligatorischen
Schulzeit treten bei Knaben konstant mehr geistige Behinderungen, mehr Sprach-, Lese- und
Schreibstörungen und wesentlich mehr Verhaltensaufflligkeiten auf als bei Mdchen.
Knaben sind im Vergleich zu diesen körperlich und psychisch weniger reif. Grosse
Untersuchungen von Vorschul- und Schulkindern, welche Ausknfte von Eltern und Lehrer
mitverwerten, zeigen regelmässig geschlechtsspezifische Unterschiede: Hyperaktivitt,
Unkonzentriertheit, Impulsivitt, Aggressivitt, strendes Verhalten treten häufiger
bei Knaben auf. Mdchen zeigen dagegen häufiger Symptome von Angst und depressiver
Verstimmung.
Wo immer die Leistungsfhigkeit der Schler in standardisierten
Tests mit dem Lehrerurteil verglichen worden ist, zeigt sich - was nicht berrascht -,
dass die Lehrer Mdchen im Vergleich zu deren effektiver Leistungsfhigkeit eher
gnstiger beurteilen als Knaben: Mdchen sind als Gruppe in der Regel eifriger,
freundlicher, anhnglicher und machen weniger Schwierigkeiten. Sie sind pflichtbewusster
und profitieren dadurch eher von den Angeboten der Schule, sie nutzen die Gelegenheit zum
Lernen besser. Bereits in der Kindheit zeigt sich somit ein Geschlechtsunterschied,
welcher Knaben benachteiligt und Mdchen begnstigt.
Letztere lassen sich als Gruppe leichter sozialisieren, sie
passen sich auch unter Belastung eher an die Gegebenheiten an; wenn sie leiden, so leiden
sie diskret. Auch auf familire Konflikte reagieren Mdchen in diesem Alter
unspektakulr und viel eher mit Rckzug und Symptomen der Angst und Depression, Knaben
eher mit acting out, mit offener Auflehnung, mit Aggressivitt, Stehlen, Weglaufen
und Schwnzen. Knaben erscheinen nicht nur in epidemiologischen Untersuchungen als das
aufflligere und gefhrdetere Geschlecht; sie sind auch in der Klientel von kinder- und
jugendpsychiatrischen Polikliniken bervertreten. In der Sekundarstufe II zeichnet sich,
was nach den obigen Ausfhrungen nicht erstaunt, eine bervertretung der jungen Männer
in den Berufslehren und eine bervertretung der jungen Frauen in den Mittelschulen ab.
1997/98 gingen von 63 625 Maturittsabschlssen 52,3 Prozent auf das Konto junger
Frauen.
Dabei erfolgt die Wahl des Maturittstyps hochgradig
geschlechtsspezifisch. Der mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Typus C wies
1997/98 einen Männeranteil von 71,8 Prozent auf, der neusprachliche Typ D einen
frauenanteil von 76,2 Prozent. Damit ist der weitere Ausbildungsweg der jungen Männer und
Frauen bereits vorgespurt. Junge Frauen besuchen nicht nur etwas häufiger als junge
Männer die regulren Mittelschulen, sondern auch die an eine Berufsbildung
anschliessenden Maturittsschulen für Erwachsene. Weitaus den grssten
frauenberschuss weisen jedoch die Schulen für Unterrichtsberufe (Lehrerseminare auf
Mittelschulstufe) sowie die Diplommittelschulen und anderen allgemeinbildenden Schulen
auf: In ihnen stellen junge Frauen 80,9 Prozent bzw. 70,1 Prozent der Schlerschaft. Ein
vllig anderes Bild ergibt die Berufsausbildung, das heisst die Lehre und der Besuch der
Gewerbeschule.
Hier sind junge Männer mit einem Anteil von 58,8 Prozent
bervertreten. Schwerpunktmssig fallen dabei die Extrempositionen ins Gewicht: Unter
den Jugendlichen, welche sich aus intellektuellen oder emotionalen Grnden auf eine
Anlehre beschränken, stellen sie 66,0 Prozent, unter denjenigen, welche whrend der
Lehre den Weg zur Berufsmaturitt einschlagen, 82,4 Prozent. Offensichtlich wird hier
Versumtes nachgeholt. Die Wahl des Lehrberufs ist genau wie die Wahl des Maturittstyps
hochgradig geschlechterspezifisch: In den Bereichen Handel und Verwaltung (kaufmännische
Angestellte, Verkuferin), Hygiene und Körperpflege (Coiffeuse), Heilbehandlung
(Krankenschwestern), in den Künstlerischen Berufen (Dekorationsgestaltung, Graphik,
Musik) und in der früherziehung sind junge Frauen massiv bervertreten.
Der Bereich Industrie und Handwerk weist dagegen einen
Männeranteil von 90,3 Prozent und Technische Berufe einen solchen von 76,9 Prozent
auf. Frauen sind in der Ausbildung für Dienstleistungen, für Kontaktberufe und für
Berufe mit einer sthetischen Komponente berreprsentiert, Männer in der Produktion.
Das Spektrum der von Frauen gewhlten Lehrberufe ist eng. Jede zweite junge Frau ergreift
eine der folgenden Ausbildungen: kaufmännische Angestellte, Verkuferin,
Handelsdiplomandin, Damencoiffeuse, Krankenschwester.
Psychische Anflligkeit
Das Ende der obligatorischen Schulzeit fllt mit einer
allmhlichen Vernderung der psychischen Befindlichkeit der jungen Frauen zusammen, die
für die westliche Welt in zahlreichen epidemiologischen Quer- und Lngsschnitten belegt
ist. Die jungen Frauen fühlen sich im Mittel in diesem Alter wesentlich schlechter als
die jungen Männer. Sie begrnden dies häufiger mit Angst- und Depressionssymptomen, mit
Körperbeschwerden und einem geringeren Selbstwertgefühl.
Auch bei den jungen Männern nehmen in diesem Alter die
Selbstzweifel und die depressiven Verstimmungen zu, aber der Anstieg ist nicht mit
demjenigen bei den Frauen zu vergleichen. Zudem treten Aggression und Unruhe, das acting
out, bei der Mehrzahl der männlichen Jugendlichen allmhlich zurck. Die grssere
Anflligkeit der Frauen als Gruppe für Angst, depressive Verstimmung, Körperbeschwerden
und Strungen des Selbstwertgefühls bleibt über alle Altersstufen hinweg erhalten.
Sie drfte eine Rolle spielen, wenn es darum geht, einen neuen
beruflichen Weg einzuschlagen oder im Beruf aufzusteigen und Verantwortung zu bernehmen.
Allerdings wre die Ansicht falsch, Frauen seien generell psychisch anflliger. Vom
Jugendalter an konsumieren Männer mehr Alkohol und illegale Drogen als Frauen. Bei
epidemiologischen Untersuchungen der erwachsenen Gesamtbevlkerung erweist sich die Rate
der psychischen Strungen bei Frauen und Männern gleich hoch: Männer sind stärker
gefhrdet durch Sucht, Frauen durch Strungen im Bereich der Emotionalitt.
Männerdomne Fachschulen
An Fachschulen befanden sich 1997/98 total 53 181 junge
Erwachsene, zu 67,9 Prozent Männer. An den Institutionen, welche die von Männern
bevorzugten Berufslehren voraussetzen, ist der Männeranteil unter den Studierenden extrem
hoch und der frauenanteil verschwindend klein. (Industrie und Handwerk: 93,7 Prozent;
technische Berufe: 94,2 Prozent).
Jedoch spiegelt die hhere Berufsbildung nicht immer die
Geschlechterverteilung der Lehrberufe. Zwar absolvieren mehr Frauen als Männer eine Lehre
in einem kaufmännischen oder Verkaufsberuf (65,8 Prozent frauenanteil), aber in den
Lehrgngen der entsprechenden Fachschulen hat sich das Geschlechtsverhltnis umgekehrt:
der Männeranteil betrgt 67,7 Prozent. Fachschulen mit einem hohen frauenanteil lehren
Sozialarbeit, Krankenpflege, Hauswirtschaft und Gastgewerbe.
Der frauenanteil an den Hochschulen hat sich in den letzten 50
Jahren vervierfacht. Männer und Frauen unterscheiden sich durch ihre Verteilung auf die
Studienrichtungen. Die hchsten frauenanteile haben Pharmazeutik (73,2 Prozent),
Veterinrmedizin (67,9), Literaturwissenschaften (67,5), Sozialwissenschaften (65,2),
historische und Kulturwissenschaften (51,0). Einen frauenanteil von 40 bis 50 Prozent
weisen Humanmedizin (47,2) und Recht (44,5) auf. Zwischen 30 und 40 Prozent liegen
Theologie (39,8), Agrar- und Forstwissenschaft (38,0) und Naturwissenschaften (37,8
Prozent). Es folgen die Architektur (29,0 Prozent), die konomie (24,2), die exakten
Wissenschaften (13,2) und schliesslich Maschinen- und Elektroingenieurwesen (6,7). In
derselben Grssenordnung liegt der frauenanteil in der Informatik.
Welches Geschlecht verdient frderung?
Die statistischen Daten ergeben ein Resultat, das in der
Geschlechterforschung gut belegt ist: Männer sind das gefhrdetere Geschlecht. Sie sind
bervertreten in den Sonderklassen und untervertreten in anspruchsvolleren Varianten der
Oberstufe. Es wurde darauf hingewiesen, dass die meisten verhaltensaufflligen Knaben und
jungen Leute im Lauf der obligatorischen Schulzeit ruhiger werden und sich den Normen
anpassen. Um so gefhrdeter ist dafr die relativ kleine Gruppe, welcher das nicht
gelingt und die möglicherweise die obligatorische Schule nicht beendet, den Einstieg in
einen Beruf nicht schafft und schliesslich durch Abhngigkeit von legalen und illegalen
Drogen und Kleinkriminalitt gefhrdet ist.
Andererseits sind es die Männer, welche die zukunftstrchtigen
Fcher studieren. Sie haben ein umfangreicheres Berufs- und Studienfeld als die Frauen.
Dadurch werden ihr beruflicher Aufstieg und ein entsprechender gesellschaftlicher Einfluss
wahrscheinlicher. Zudem scheint die Position der Hochschulen schwieriger geworden zu sein.
In der Wirtschaft besteht eine Tendenz, Absolventen von Berufslehren und Fachschulen den
Studierten vorzuziehen.
Das gilt auch in Dienstleistungsberufen, in welchen Männer
zahlenmssig untervertreten sind. Die Zrcher Soziologin Marlis Buchmann stellte anhand
von Daten der Volkszhlung 1990 fest: Auch wenn in sogenannten integrierten Berufen,
welche von Männern und Frauen ausgebt werden, der Männeranteil klein ist, sind es die
Männer, welche aufsteigen. Der berwiegende Teil des Pflegepersonals ist weiblichen
Geschlechts, das Kader aber wird berproportional von Männern gestellt. Oder: Trotz der
bervertretung der studierenden Frauen in Sprach- und Literaturwissenschaft sind in der
Professorenschaft die Männer berreprsentiert.
Die Antwort auf die frage, ob nicht die Knaben und Männer einer
speziellen frderung bedürfen, msste lauten: Man sollte auffllige Knaben und junge
Männer vor allem vor dem Abgleiten in die Asozialitt schtzen und ihnen eine
Ausbildung ermöglichen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, sorgen Männer in der
Regel selber für ihr Weiterkommen.
Nach den Daten der Eidgenssischen Kommission für frauenfragen
stieg die Quote der jungen Frauen, die eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II besuchten,
von 85 Prozent im Jahr 1980 auf 93 Prozent im Jahr 1995 (Männer: 95 Prozent). Trotzdem
hlt die Kommission die gesellschaftliche Stellung der Frauen in beruflicher Hinsicht
für unbefriedigend. Diese schnitten zwar im koedukativen System erfolgreicher ab als die
Knaben, weil sie unter den Maturanden berwiegen und erst noch im Mittel die besseren
Noten erhalten.
Jedoch manifestiere sich eine latente schulische Benachteiligung
der Frauen bei der Wahl von Beruf und Studium: Frauen beschränken sich auf eine relativ
kleine Zahl von Berufen und Studiengngen und erreichen deshalb viel seltener
einflussreiche Positionen.
Traditionelle Rollenmuster
Die schulische Benachteiligung besteht nach Ansicht der
Kommission für frauenfragen darin, dass den Mdchen suggeriert werde, sie seien weniger
intelligent als die Knaben und ihre Verdienste bestnden vor allem aus einem besseren
Betragen. Mdchen erlebten damit in koedukativen Schulen einen heimlichen Lehrplan der
Geschlechtererziehung. Im beruflichen Bereich fhrten geschlechtsspezifische
Rollenmuster zur Bevorzugung von Dienstleistungen gegenüber der Produktion, und das
Fehlen weiblicher Vorbilder verhindere das Vordringen von Frauen in bisher eher den
Männern vorbehaltene Berufe. Auch im akademischen Bereich widerspiegle die Fcherwahl
die traditionellen Rollenmuster. Unter anderem trage die dominierende männliche
Perspektive in der Wissenschaft, welche die Frauen und ihre Lebenswelt ignoriere, an der
einseitigen weiblichen Studienwahl Schuld.
Heute stehen in der westlichen Welt den Frauen alle Ausbildungen
und alle Studiengnge offen. Frauen whlen aus diesem grossen Feld häufiger als Männer
Bereiche, welche mit Sprache, mit menschlichen Beziehungen, mit Versorgung, mit sthetik
zu tun haben. Das sind
zugleich Bereiche, welche weniger Ansehen und Einkommen bringen
als Produktion und Technik. Ist es plausibel, diese Wahl auf eine unterschwellige
Diskriminierung in der Schule zurckzufhren, welche sich weder in den Noten noch im
Schulerfolg zeigt? Ist es plausibel, von einem Hindernis durch die männerorientierte
Wissenschaft zu sprechen, wenn die Frauen gerade bevorzugt diejenigen Fachrichtungen
studieren, in welchen die Geschlechter und ihre allenfalls unterschiedliche Weltsicht eine
Rolle spielen: Geschichte, Psychologie, Literatur?
Die Wahl der sprach- und beziehungsorientierten Richtungen in
Beruf und Studium entspricht bemerkenswerterweise den Ergebnissen der neueren
Hirnforschung und der neuen Methoden zur Erfassung vom Raumwahrnehmung mit Hilfe
virtueller Darstellungen: Frauen und Männer als Gruppe weisen auf Grund eines etwas
unterschiedlichen Baus und einer etwas unterschiedlichen Funktionsweise des Gehirns leicht
unterschiedliche Begabungsschwerpunkte auf. Männer haben eine grssere Leichtigkeit im
Umgang mit rumlichen, mathematischen und technischen Problemen; Frauen liegt
durchschnittlich eine differenzierte Sprache nher, und sie haben durchschnittlich einen
besseren Zugang zu den eigenen und fremden Emotionen und zu deren Ausdruck. In einem
freier gewordenen Feld whlt man am ehesten die Gebiete, denen man sich nahe und
gewachsen fhlt. Wenn äussere Barrieren der Konvention abgebrochen werden, treten
Fhigkeiten und Neigungen unverhllter an den Tag.
Du heiratest ja doch
Auf Grund dieser etwas unterschiedlichen Verteilung der
Begabungsstruktur ist es nicht wahrscheinlich, dass sich Frauen je in gleich grosser Zahl
technischen Berufen und Studien zuwenden werden wie Männer. Aber es ist auf Grund dieser
Verteilung sicher, dass es bei Frauen unerkannte und vernachlssigte technische
Begabungen und Interessen gibt, welche individuell gefrdert werden mssten. Es ist zwar
kaum mehr vorstellbar, dass Eltern oder Lehrer Tchter oder Schlerinnen von Motoren
oder Computern fernhalten mit dem Argument Das ist nichts für Mdchen! oder Du
heiratest ja doch. Alle kennen die rasche Entwicklung der Technik und die Instabilitt
der Ehen. Aber es ist durchaus denkbar, dass entsprechend begabte und interessierte Frauen
zum Beispiel mit Hilfe von Tutoraten durch zustndige Berufsfrauen leichter den Einstieg
in einen technisch oder mathematisch orientierten, von Männern dominierten Beruf oder in
eine solche Wissenschaft finden und die informellen Hindernisse und das Gefühl, etwas
Ungebruchliches zu tun, so eher berwinden.
Die Schwierigkeiten, welche junge Männer und junge Frauen auf
dem Weg zu ihrem Beruf vorfinden, sind ganz unterschiedlicher Art.
Wer deren unterschiedliche Voraussetzungen nicht anerkennt und
unentwegt Diskriminierung ins Feld fhrt, hilft keinem der Geschlechter.
* Ccile Ernst, Dr. med. und Dr. phil., ist
wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychiatrischen Universittsklinik Zürich.
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