erschienen im BLICK vom 28. September 1998

Coco: Zum Abschied eine Sonnenblume

 Autor: VON JRG SPORI UND ARTHUR SIEBER

LEUBRINGEN BE - Als Mann nicht akzeptiert, als Frau nicht geliebt. Das sind die Worte, die in der Todesanzeige von Coco (28), der berhmtesten Schweizer Transsexuellen, stehen werden. Coco strangulierte sich am freitag mit dem Gurt ihres Bademantels.

Cocos Vater, Jean-Pierre Lortan (54), sitzt auf dem Sofa in seiner Wohnung in Thun. In seiner Hand hlt der Bauingenieur eine Sonnenblume. Die hat mir Coco gebastelt, als sie noch im Kindergarten war, sagt er. Und hlt die Blume an seine Brust. In meinem Herzen lebst Du weiter.

Bereits im Kindergartenalter hatte Coco, damals noch Marc-Andr, sich die Fingerngel rot bemalt. Nach dem Gymnasium legte er sich den Künstlernamen Coco zu. Und trat als Performance-Künstler auf.

Als Marc-Andr 20 war, liess er sich operieren: vom Mann zu Frau. Und erfllte sich damit einen Traum.

Mit seinem Film Traum Frau zeichnete der Dokumentarfilmer Paul Riniker 1990 die Geschichte ihrer Umwandlung nach. Und machte Coco mit einem Schlag in der ganzen Schweiz berhmt.

Aber glcklich konnte auch die Operation Coco nicht machen. Die Schmerzen danach waren fast unertrglich: Coco litt an Knochenschwund. Und wo ihre Persönlichkeit zu finden sei - diese frage verlor für sie nichts von ihrer Schrfe.

Coco arbeitete als Model für die Berner Modeschpferin Marianne Alvoni. Ihr Vater Jean-Pierre Lortan zu BLICK: Coco war eine Frau. Aber in ihrer Brust schlug ein Männerherz. Sie konnte sehr autoritr sein. Und mit der Faust auf den Tisch hauen. Alles, was sie anpackte, musste für sie immer perfekt sein.

Ihre letzten Tage verbrachte Coco in Leubringen BE. Dort hatte sie freunde besucht: Sie wohnte bei einer Familie mit vier Kindern.

In ihrer Verzweiflung konnten Coco auch die freunde nicht helfen: Mit dem Gurt ihres Bademantels setzte sie am freitag ihrem Leben ein Ende. Sie knpfte am Radiator eine Schleife und legte den Kopf hinein. Dann rutschte sie mit dem Oberkörper nach unten. Ihre Fsse blieben whrend der Selbststrangulierung immer am Boden.

Am Tag vor ihrem Tod rief ich Coco an, sagt Jean-Pierre Lortan. Sie sagte mir, es gehe ihr gut.

Am Samstag nahm ihr Vater Abschied von seiner toten Tochter. Ich schenkte ihr eine Sonnenblume. Die hatte sie so geliebt.

Coco - die lebenslange Suche nach der Persönlichkeit.

Papa Jean-Pierre Lortan mit gebastelter Sonnenblume.

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