Wissen und Geschlecht
10. Historikerinnentagung in freiburg
lin.Unter dem Titel "Wissen und Geschlecht" ist am vergangenen
Wochenende an der Universitt freiburg die 10. Schweizerische
Historikerinnentagung mit über 200 Beteiligten durchgefhrt
worden. Der Titel der Veranstaltung spielt auf das grundlegende
Werk der amerikanischen Philosophin Sandra Harding "Das Geschlecht
des Wissens" an, die an der Tagung eines der Einfhrungsreferate
über die Standortgebundenheit und Situiertheit von Wissen hielt.
Wissen erscheint in einem solchen Konzept nicht als universales,
einheitliches Konzept, sondern als Konstrukt, das von verschiedenen
Kategorien wie Klassen, Rasse und Geschlecht mitbestimmt ist,
wobei diese Kategorien ihrerseits nicht als einheitlich-universelle
Konzepte aufzufassen sind. Wissen ist immer interdisziplinr
und transkulturell, betonte Harding und wies damit auf die reiche
Tradition des Wissenstransfers hin. In diesem Sinn war die Tagung
denn auch keine rein schweizerische Angelegenheit. Die reiche
Beteiligung von deutschen, sterreichischen und amerikanischen
Forscherinnen aus den verschiedensten geisteswissenschaftlichen
Disziplinen bot vielerlei Vergleichsmöglichkeiten und Mittel
zur Kontextualisierung der Arbeit, die in geschlechtergeschichtlichen
und kulturwissenschaftlichen Recherchen hierzulande betrieben
wird. Das unter dem Aspekt von Geschlecht betrachtete Wissen
umfasst immer auch eine Kritik am bestehenden Wissenschaftsbetrieb.
In den Workshops der Tagung waren vor allem auch wissenschaftskritische
Beitrge zu hren, die der frage des Ausschlusses von Frauen
aus dem Wissenschaftsbetrieb nachgingen beziehungsweise der
Rollenkonformitt von weiblichem Wissen und dem erst zgerlichen
Eindringen von Frauen in einen vorwiegend männlich besetzten
Raum. Viele dieser Arbeiten werden nach wie vor unter dem Aspekt
der Suche von Frauen nach der eigenen Geschichte und nach Pionierinnen
in den Wissensfchern unternommen; das Interesse an der Biographie
dieser Frauen verdeckt oft die Art und Weise, wie sich das Wissen
der Frauen in diesen Disziplinen prsentierte und wie es in
den Fachdiskurs diffundierte. Das war denn auch die Hauptkritik
der rckblickenden Teilnehmerinnen am Schlusspodium: In den
meisten Beitrgen wurde die frage nach der spezifischen Verfasstheit
von männlichem und weiblichem Wissen beziehungsweise der Geschlechterdifferenz
in den Wissensauffassungen vermisst, ebenso die frage nach der
Diffusion von geschlechterspezifisch entstandenem Wissen in
den Disziplinen und in politischen und gesellschaftlichen Bereichen.
Elisabeth Joris beispielsweise - sie reprsentiert bezeichnenderweise
eine der wenigen Forscherinnen, die sich mit ihrer Arbeit ausserhalb
des akademischen Betriebs einen Namen gemacht haben - kritisierte,
dass durch den meist einseitigen Blick der Gender- Forscherinnen
(und es sind in diesem Gebiet vor allem Frauen anzutreffen)
auf den Ausschluss von Frauen bei der frage nach der Integration
von weiblichem Wissen und den damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen
Partizipationsmöglichkeiten reichlich blinde Flecken bestehen
wrden.
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