Einsiedeln ist schön! Ja, Sie/Du hast richtig gelesen, ich schreibe...Einsiedeln ist schön! Ich wohne nämlich bereits mehr als ein Jahr an diesem wunderbaren, ländlichen Ort. Seit dem 3. August 05! Zürich war gestern, war 9 Jahre lang mein Zuhause....der Ort, an dem ich den Wechsel vom körperlichen Mann Christian hin zur Frau Nadia vollzogen habe, wo ich die Wochenende an schrillen Partys durchgetanzt und den Weg nach Hause erst nach Sonnenaufgang jeweils gefunden habe. Auch ein Buch ist in in Zürich entstanden.....Die weisse Feder...haben Sie/Du es vielleicht gelesen?
Zahlreiche Medienauftritte und als vorläufiger Höhepunkt ein DOK Film von SfDRS folgten....Ich habe diese von Kameras und Journalisten eingefangenen und niedergeschriebenen Momente genossen...Die Kamera war nämlich mein Freund, denn ich war sonst in Zürich sehr einsam! Nach aussen hin verstand ich es meisterhaft mich in Szene zu setzen, mich hinter der Maske des sogenannten "Servela-Promis" zu verstecken. Ich gab vor, jemand Wichtiges zu sein, genoss die Privilegien, die "man" als Promi hat. Ich war cool, hip...
immer im Stress dem Tempo dieser Trend-Metropole folgen zu können.
Uff....das war anstrengend! Meine Zürcher-Visitenkarte ....schlanke, sexy Traumfrau, umwerfend lange Beine, ein Dekollte präsentiert für Verkehrschaos, strahlend blaue Augen (Augenaufschlag inklusive!),...lasziver Tanz, immer supercool...männlicher Begleiter unbedingt erwünscht!
Körperfassade top, Seele, Geist und Verstand wegen "nicht beachten" flop -
Und dann im Frühling 05 Sackgasse...Endstation! Klar, es gab im Vorfeld genügend Warnsignale, Vieles was in meinem Alltag schon lange nicht mehr stimmte, das Aufrecht erhalten und zur Schau stellen der Züri-Traumfrau...Fehlanzeige! Mein Absturz war im vollen Gange! Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon völlig im Szenen-Jungle einer bizarren Welt aus Techno, Drogen, Milieu, Oberflächlichkeit und Herzenskälte verloren.
Einsamkeit und Erschöpfungs Zustände mischten sich zu einer brisanten Mischung mit fahlem Geschmack. Mein Körper rebellierte, meine Seele auch.
Doch meine Sinne waren zu benebelt, mein Verstand viel zu weit weg. Mein Alltag war da schon längst bestimmt von Medikamenten, man bescheinigte mir ein Pulverfass an Depressionen, manischen Zuständen, Psychosen....Persönlichkeitsstörungen einer Borderlinerin!
Klar, es gibt viele Erklärungsversuche....Misshandlungen, traumatische Erfahrungen, Gewalt, eine ungelebte Kindheit, fehlende Liebe, ein zu schneller SexChange und genetische Veranlagungen...tja, es mag wohl von Allem auch ein wenig dazu beigetragen haben. Aber ich muss ganz klar sagen, Vieles habe ich meiner Unvernunft zuzuschreiben, meinem "kaputten" und viel zu sorglosen Lebenswandel...körperlicher und psychischer Raubbau!!
In der Nacht vom Pfingstmontag auf Dienstag, Mai 05....Selbstmordversuch!
Mein Leben war schwarz, hatte zu diesem Zeitpunkt für mich keine Perspektive mehr, war meines Erachtens nicht mehr lebenswert!
Der Griff zum Brotmesser war einfach, drei Stunden telephonieren mit der dargebotenen Hand fruchtlos und doch.....
.....Angst, Angst dass ich womöglich nach dem Tod vom lieben Gott bestraft werde für diese unermessliche Dummheit, für dieses "davon laufen" vor mir!
Angst wo Selbstmörder nach dem Tod landen...?! Wie feige ich doch war und unwissend! Ein Gott, der bestraft....ich hätte doch schon da wissen müssen, das es nur einen Gott gibt, der jeden Menschen liebt, der uns das Leben schenkt und bei uns ist, egal wie dunkel die menschlichen Abgründe sind. Und er gibt jedem Leben einen Sinn, beschützt uns und dafür hätte ich mich bei ihm bedanken müssen und nicht das Brotmesser über Leben und Tod entscheiden lassen sollen!
....Danach Einweisung in eine Psychiatrische Klinik. Drei Monate war ich dort.....konnte in geschütztem Rahmen loslassen, Ergotherapie, Gesprächsgruppen, Arztvisiten und vor allem.....endlich mal zur Ruhe kommen, nachdenken, realisieren, der inneren Nadia endlich "hallo" sagen, Raum öffnen für Herz und Seele!
Drei Monate mit Trauer, Wut, Freude, Hoffnung.....und endlich der Erkenntnis, dass ich mein Leben grundsätzlich neu ordnen muss! Viele Veränderungen standen an, nicht nur Innere, sondern auch Äussere. Das war beschlossene Sache. Ich fühlte, dass ich dem lieben Gott danke sagen wollte, danke, dass er schlussendlich mein Leben beschützte! Dies tat ich, indem ich regelmässig hierher nach Einsiedeln kam und ich fühlte mich wie magisch zum Kloster, der schwarzen Madonna und zu Gott hingezogen.
Daraus entstand dann der Wunsch, nach der Klinik Zürich zu verlassen und hier in Einsiedeln mein neues Leben anzufangen.
Tapetenwechsel...wunderschöne, eindrückliche Natur anstelle schneller Party-Beats...hupende Autos und Marathon hetzende Stress-Gesichter ersetzen mit frischer Luft und viel Folklore!
Ja, dieser neue Lebensabschnitt gefällt mir! Ich habe hier die Musse entdeckt, bin viel in der prächtigen voralpinen Natur unterwegs. Klar gibts immer noch die Nadia, die sich gerne stylt, gerne mal nach Zürich shoppen geht! Aber eben nur noch ab und zu....meine Prioritäten haben sich ganz klar verschoben, sind daran, neu zu wachsen! Es ist spannend, dieser neuen Nadia zu begegnen und mit ihr umzugehen.
Auch heute noch gibts Momente wo ich zweifle, mit mir und meiner Vergangenheit im "Klintsch" bin!
Es ist ein Teil von mir, mit dem ich mich aussöhnen möchte. Das braucht Zeit, Durchhaltewillen und Disziplin. Aber ich bin ja nicht allein, ich habe hier in Einsiedeln ganz liebe Menschen kennengelernt und ich habe zusammen mit einem tollen Co-Autor mein zweites Buch geschrieben, das jetzt am 29.
September 06 in den Buchhandel kommt...SEELENTANZ - ich folge meinem Weg...ich beschreibe darin eine Nadia mit allem was sie ausmacht, sie im Leben geformt hat, wie sie heute lebt und denkt, endlich ohne Maske, ohne etwas vortäuschen zu müssen, eine Nadia, die wieder Kraft hat, so gut ist wie sie ist, gelernt hat sich nicht mehr so im Schweren zu wälzen, sondern sich am Schönen zu freuen und dafür dankbar ist. Und ganz wichtig...die JA zum Leben sagt!! Es werden wieder Medienauftritte folgen zur Verkaufsförderung von SEELENTANZ, aber ich weiss dieses Mal, welchen Stellenwert diese Auftritte bei mir haben. Ich darf mich klar darüber freuen, sie auch geniessen. Aber sie sind nicht mehr Freundesersatz!!
Heute ist der 20. September 06, ich lache und bin dankbar für mein Leben....und ich gehe jetzt in die Klosterkirche und sage dem lieben Gott DANKE dafür!!!
Küssli.....Nadia Brönimann
PS: neue Einsiedler Visitenkarte...nicht mehr ganz so schlanke Frau, mit einigen Macken, freundlich,
gerne in der Natur, liebt Gespräche und Begegnungen mit Menschen, hat Lust auf Neues,
redet gerne und freut sich nach wie vor über Dates mit Männern ...aber nicht mehr unbedingt ...:)
Ich möchte Euch jeden Monat einen meiner Lieblingssprüche
schenken. Diesen Monat:
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Ich und mein Leben sind Freunde geworden...
Zitat von Luciano Vassalli, der vor kurzem verstarb und mir ein grosses Vorbild ist! |
Seit 4 Jahren bin ich in der Sterbebegleitung tätig. Angefangen habe ich mit dieser Arbeit als Volontärin im Hospiz Zürcher Lighthouse. Dort war ich tätig in der Hauswirtschaft, Freizeitbegleitung von Patienten, Sitzwache und Sterbebegleitung. Ich durfte viele wertvolle und eindrückliche Momente erleben. Menschen in dieser terminalen Phase ihres Lebens begleiten zu dürfen, berührt mein Herz immer wieder aufs Neue. Es ist eine kostbare Arbeit! Sie bedeutet mir sehr viel und ich bin jedem Menschen, den ich begleiten durfte unendlich dankbar!
Um mehr Erfahrungen und Wissen zu erlangen, bin ich im Januar 2004 für zwei Monate nach Kalkutta/Indien gereist und habe dort im Sterbehaus der Mutter Teresa als Volontärin gearbeitet.
Eine intensive Zeit, bei der ich mich stark mit meinem eigenen "ich" auseinandersetzen musste.
Ich habe dort Grenzerfahrungen erlebt und diese haben mich dem Geheimnis des "Sterbens" aber auch des "Lebens" näher gebracht. Diese Arbeit dort hat mich im Herzen reich beschenkt...
Mittlerweile, gut zwei Jahre später, bin ich hier in Einsiedeln in einer Gruppe für Begleitung Schwerkranker und Sterbender im Spital Einsiedeln.
Auch in der Sterbebegleitung folge ich meinem Weg...denn ich fliege im Januar 2007 zusammen mit einer lieben Freundin erneut nach Kalkutta/Indien, um mich wieder ganz in den "Dienst" der Nächstenliebe zu stellen und im Sterbehaus der Mutter Teresa zu arbeiten.
Ich danke Gott für diese Herzensaufgabe!
Nadia Brönimann
PS: .....Ein guter Freund von mir, der Fotograf
Martin Bichsel, porträtiert transsexuelle Menschen in Europa,
Asien und Afrika, mit Schwerpunkt auf Länder,
in denen auf Grund politischer oder soziokultureller
Lage Transsexuelle öffentlich nicht in Erscheinung
treten.
Dieses Engagement möchte ich unterstützen.
Es wird eine spannende Dokumentation und Zeitzeugnis!
Zur Realisierung dieses tollen und einzigartigen
internationalen Fotobuchprojekts suchen wir Sponsoren!
Für Fragen, Anregungen oder finanzielle Unterstützung
melde Dich bitte direkt bei Martin Bichsel:
foto@martinbichsel.ch
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